You don't come to Scotland for the sun ...

Von Destille zu Destille

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen einige schottische Destillerien vorstellen, die ich bei der einen oder anderen Schottlandreise besucht habe. Die Reihenfolge der aufgeführten Destillerien ist keine Wertung, sondern schlicht und einfach alphabethisch.

Da ich nicht jedes Jahr jede Destille besuchen kann, kann sich natürlich hier und da mal etwas ändern. Falls Ihnen bei Ihrem Besuch gravierende Änderungen zu meinen Beschreibungen auffallen, freue mich auf Ihre Mitteilung!

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Aberlour Distillery (Speyside)


Ein Besuch der Aberlour Distillery ist unbedingt empfehlenswert! Zweimal täglich finden geführte Touren (Voranmeldung notwendig!) inklusiv Whisky-Verkostung statt (zu einem damals unschlagbaren Preis von 10 Pfund - Stand August 2009). Und wenn ich Whisky-Verkostung schreibe, dann meine ich das auch. Es ist ratsam, zu dieser Tour nicht mit dem PKW sondern mit dem Bus oder zu Fuß zu kommen!

Zunächst erwartet den Besucher eine sehr gute und unterhaltsame Einführung in die Whiskyproduktion, modern präsentiert mit animierter Bildershow von einer netten älteren Schottin namens Marble. 1879 wurde die Destillerie von James Fleming gegründet - und schon wenige Jahre später, im Jahre 1898, bei einem Brand fast völlig zerstört, aber sofort wieder aufgebaut. Fleming hatte keine direkten Nachkommen und heute gehört die Destillerie aus der Speyside-Region zum französischen Spirituosenkonzern Pernod Richard.
 
Bei der folgenden Führung durch die kleine Destillerie kann an der Maische nicht nur geschnuppert, sondern darf auch schon einmal probiert werden (nur Mut - es schmeckt ähnlich wie warmes Bier). Im Anschluss geht es dann zur Verkostung von fünf Aberlour Whiskys - wir kamen in den Genuss jeweils eines 14jährigen Bourbon Cask (63,1%), 15jähriger Sherry Cask (56,4%), Aberlour 10 Years (43%), Aberlour 16 Years (43%) und Aberlour a'bunadh (59,9%). Die ganz Tapferen durften auch mal am "Spirit" nippen - ich würde davon abraten, es betäubt die Geschmacksnerven ...
 
Ein - etwas kostspieliger - Höhepunkt ist das Abfüllen der eigenen Whiskyflasche. Nun, nach der Verkostung von 5 Whiskys konnte ich dem nicht wiederstehen. Jetzt hat Kommissar Brander seinen eigenen Whisky.

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Ben Nevis Distillery (Highlands)


Die Ben Nevis Distillery liegt am Fuße des gleichnamigen höchsten Berges von Schottland im Westen der Highlands bei Fort William. Kommt man auf das Gelände schauen einen rechter Hand ein paar Highland Cattles mit langen spitzen Hörnern neugierig entgegen, während sich auf der anderen Seite Whisky-Fässer stapeln. Die Destillerie wurde 1825 gegründet und ist somit eine der ältesten Destillerien Schottlands. Die beiden Single Malts "Dew of Ben Nevis" und "Glencoe" sind jedoch erst seit wenigen Jahren auf dem Markt - zuvor wurde der Whisky für die Produktion von Blends verwendet.

Das Besucherzentrum ist gemütlich und bietet neben ein paar Whiskys eine Auswahl an Kaffee, Tee und Scones. Die 4 Pfund, die eine Tour durch die Destillerie kostet, kann man am Ende der Tour in Whisky tauschen - sie werden beim Kauf ausgewählter Ben Nevis Whiskys verrechnet. Die Tour ist unterhaltsam. Es beginnt mit einem Film über die Legende vom "Dew of Ben Nevis" - der Gigant Hector McDram. Im Anschluss folgt ein Rundgang durch die Brennerei, die vom Tourguide sehr unterhaltsam durchgeführt wird. Man muss jedoch des Englischen gut mächtig sein, um auch die kleinen ironischen Spitzen und Anekdoten gut zu verstehen. Zum Schluss gibt es im Café des Besucherzentrums ein Gläschen Ben Nevis. Möchte man an einer Tour teilnehmen, empfiehlt sich eine Voranmeldung.

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Dallas Dhu Historic Distillery (Speyside)

Die Dallas Dhu Distillery wurde 1899 südlich von Forres von dem Glasgower Unternehmen Wright & Greig Ltd. gegründet. Bei einem Brand 1939 wurde das Stillhouse völlig zerstört, aber wieder aufgebaut. Keine fünfzig Jahre später 1983 wurde die Destillerie stillgelegt und an die Denkmalschutzbehörde "Historic Scotland" verkauft. Es entstand ein historisches Whisky-Museum, welches dem interessierten Besucher zeigt, wie Whisky vor 100 Jahren gebrannt wurde bis hin zur modernen Produktion. Es ist ideal, um sich auf eigene Faust einmal in Ruhe ein genaues Bild von der Herstellung des Lebenswassers zu machen. Glücklich, wer ein Explorer-Ticket besitzt - damit ist der Eintritt frei.


 
Im Besucherzentrum, in dem noch Dallas Dhu Whisky verkauft wird, meldet man sich an. Man bekommt einen Audio Guide und kann sich die Sprache auswählen, die einen auf dem Rundgang begleiten soll. Danach kann man in seinem eigenen Tempo die 16 Stationen ablaufen. So bleibt auch einmal Zeit, sich eine Sache zweimal anzuhören oder eine Station genauer anzusehen, um den Produktionsprozess besser zu verstehen. Zum Abschluss geht es in einen gemütlichen Raum, in dem mitunter auch ein Film vorgeführt wird (als wir dort waren, war der Apparat gerade defekt) und es darf auch probiert werden. Gereicht wird ein Roderick Dhu Whisky - ein Blended für den Dallas Dhu produziert hat.
 
Das Personal ist sehr freundlich und gibt geduldig Auskunft auf Fragen - wir verweilen ein wenig länger, da vor den Türen gerade einmal wieder der Schottische Sommer in vollen Strömen fließt ...

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"Dewar's World of Whisky" - Aberfeldy Distillery


Die Aberfeldy Distillery wurde 1898 von John Dewar erbaut und liegt östlich des gleichnamigen Örtchens in der Region Pershire. Produziert wird ein 12- und ein 21-jähriger Single Malt Aberfeldy Whisky, ein Großteil der Whiskyproduktion geht jedoch in die Dewar`s Blends, die vor allem in den USA einen großen Absatzmarkt haben. Bemerkenswert an der Destillerie ist, dass das Stillhouse mit vier Brennblasen mit einer Glasfront versehen ist. So kann man sich schon mal von außen einen Einblick verschaffen. Das Wasser bezieht die Brennerei aus dem Flüsschen Pitilie, wo es munter und glasklar über und durch Basalttuffgestein plätschert.
 
Das Besucherzentrum ist gemütlich eingerichtet, neben Whisky und Souvenirs gibt es Kaffee, Tee und kleine Snacks. Und natürlich besteht die Möglichkeit, eine Tour durch die Destillerie zu buchen. Hier kann man sehr viel über die Geschichte des Whiskys und die Entstehung der Destillerie erfahren. Sir Thomas Robert Dewar - jüngster Sohn des Gründers John Dewar - war zu seiner Zeit eine der bekanntesten Persönlichkeiten Schottlands. Früh reiste der wortgewandte Mann umher, um Dewar's weltweit bekannt zu machen.

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Edradour Distillery (Highland)


Die Edradour Distillery ist die kleinste Destillerie Schottlands. Sie liegt in der Nähe von Pitlochry, einem netten, kleinen Touristenort in den Central-Highlands. In Pitlochry kann man sich gut eine Unterkunft suchen und dann zu Fuß den kleinen Anstieg zu der romantisch gelegenen Destillerie mit den weiß getünchten Häusern und roten Toren bewältigen.

Auch hier zögern wir nicht lange und nehmen an der kostenlosen Führung teil. In einem gemütlichen Raum gibt es schon vorab ein Probier-Schlückchen und dazu einen Film mit Informationen zur Geschichte der Destillerie. Große Strecken muss man nicht zurücklegen. Die gesamte Produktion spielt sich in einem Gebäude ab und es wird noch nach alter Tradition gearbeitet. Drei Mitarbeiter sind zuständig für die Herstellung von wöchentlich circa 12 bis 15 Fässern - Schottlands einziger handgemachter Whisky. Was das bedeutet? Schauen Sie es sich am Besten direkt in der Edradour Distillery einmal an. Idyllisch an einem Fluss gelegen, kann man hier auch nach der Führung noch eine Zeit lang verweilen.

Ich muss Sie jedoch warnen: Trotz der geringen Produktionsmenge gibt es eine ungewöhnlich große Produktvielfalt und nicht alle Whiskys werden ins Ausland exportiert. Das ist ein Verkaufsargument, dem kaum ein Whiskyliebhaber wiederstehen kann ...

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Glenfiddich Distillery (Speyside)


Glenfiddich ist wohl neben Macallan einer der berühmtesten und meist getrunkenen Whiskys weltweit. Die Destillerie liegt im Herzen von Whisky-Country, am Ortsrand von Dufftown. Seit ihrer Gründung im Jahre 1887 ist sie stets im Besitz der Familie William Grant geblieben und hat auch heute noch ihre hauseigene Cooperage.
 
Glenfiddich war die erste Destillerie, die ein Besucherzentrum eröffnete und Besucher sind hier herzlich willkommen. Die Standard-Touren sind gratis und sehr professionell! In der Regel ist keine Voranmeldung notwendig. Es gibt einen Einführungsfilm über die Geschichte der Destillerie in sieben verschiedenen Sprachen, gefolgt von einer Führung durch die beeindruckende Anlage - 28 blitz-blanke Stills (10 Washstills und 18 Spriritstills) lassen das Herz jedes Whiskyfreundes höher schlagen. Am Ende der Tour gibt es auch hier ein Schlückchen zum probieren. Und weil es gerade ein Jubiläum zu feiern gibt, bekommen wir nicht den 12jährigen Glenfiddich, sondern einen 18jährigen. Sehr lecker.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit eine Tour mit Whisky-Verkostung zu buchen, die kostet dann allerdings ein paar Pfund. Außerdem kann man sich persönliche Etiketten zum Beispiel mit Geburtstags-Glückwunschen auf seine Flasche drucken lassen.
 

Trotz der Größe ist Glenfiddich ein Familienbetrieb geblieben. Dies zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Familie Grant sich sehr in ihrer Heimat engagiert, indem sie z.B. Förderpreise für junge Sportler und Musiker vergibt und auch als Sponsor der Highland Games in Erscheinung tritt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich übrigens auch die Balvenie Distillery, die sich ebenfalls im Besitz des Grant-Konzerns befindet. Eine Führung ist hier leider nicht möglich, aber man kann in der Glenfiddich-Distillery einiges über die Brennerei erfahren.

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Macallan Distillery (Speyside)

Macallan gilt - zu Recht - als der Rolls Royce unter den Schottischen Single Malts. Die Gebäude der Speyside-Destillerie erheben sich oberhalb des River Spey am Rande von Craigellaiche. An dieser Stelle sei auch einmal erwähnt, dass aus der Speyside-Region mehr als die Hälfte aller Single Malts weltweit kommen. Die Macallan Distillery wurde 1824 von Alexander Reid gegründet, siebzehn Jahre später gab es die erste Abfüllung. Weltweite Vermarktung fand der leckere Single Malt jedoch erst ab 1980. Macallan besitzt das größte Lagerhaus Europas - 60.000 Fässer finden hier Platz. Ungewöhnlich sind auch die 21 kleinen Brennblasen, die Macallan verwendet und die diesem Whisky seinen speziellen Geschmack verleihen. Die Brennblasen sind übrigens so ungewöhnlich, dass sie es sogar auf die 10 Pfund Noten der Bank of Scotland schafften.
 
Im Verhältnis zu den anderen Destillerien, deren Besucherzentren meist mit viel Holz und warmen Licht ausgestattet sind, ist Macallans Präsentation eher von einer hellen Eleganz geprägt. Ein Besuch lohnt sich. Der Empfang ist freundlich und mit einem kleinen Gläschen zum Kennenlernen kann man es sich auf einer edlen Holzbank gemütlich machen und ein kurzes Video über die Geschichte der Macallan Distillery ansehen. Reihum stehen Whiskys aller Alters- und Preisklassen in den Regalen und es gibt Merchandising Produkte wie Jacken, T-Shirts und natürlich Tassen und Gläser. Möchte man an einer Besichtigungstour teilnehmen, sollte man sich unbedingt vorher anmelden. Zum einen finden die Touren nicht stündlich statt, zum anderen sind sie oft bereits ausgebucht.

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Keine Destillerien, aber auch sehr interessant:

Speyside Cooperage

Wie der Whisky ins Fass kommt, haben wir mittlerweile erfahren. Aber wie entsteht eigentlich so ein Fass? Diese Frage beantwortet ein Besuch in der Speyside Cooperage - die einzige Böttcherei, die in Schottland noch in Betrieb ist und besichtigt werden kann. Seit 1947 werden hier Whiskyfässer in alter Tradition hergestellt und aufbereitet (jährlich an die 100.000 Fässer).

 

Auch an diesem Ort gibt es wieder mehrsprachige Informationen. In einer Ausstellung ist die Geschichte der Fassmacherei beschrieben. Zur Führung gehört ein Film, der die Herstellung der Fässer beschreibt. Whiskyfässer werden aus dem Holz der nordamerikansichen Eiche gefertigt und haben eine Lebensdauer von circa 50 Jahren (bevor sie als Blumenkübel oder Wassertrog in unserem Garten enden).

Im Anschluss an den Film kann man einen Blick in die gläserne Werkstatt werfen und den Männern bei ihrer harten Arbeit zusehen. Eine junge Angestellte gibt bereitwillig Auskunft über das Handwerk und wir erfahren, dass die Ausbildung zum Böttcher fünf Jahre dauert und es so gut wie keine Frauen in diesem Beruf gibt. Ich kann's verstehen, mich verlassen schon beim Zuschauen die Kräfte. Wer will, kann sich an einem kleinen Demo-Fass versuchen ...

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The Scotch Whisky Experience, Edinburgh

In Edinburgh gibt es jede Menge Sehenswürdigkeiten - aber keine Destillerie. Dafür befindet sich unweit des Schlosses "The Scotch Whisky Experience". Shop, Info-Tour, Tasting und größte Whisky-Ausstellung weltweit.

Die Info-Tour erfolgt in einer kleinen "Geister-Bahn" - Gondeln in Form alter Fässer, dazu gibt es einen Audio-Guide für die eigene Sprachauswahl, an den einzelnen Stationen begegnet einem der Geist eines netten älteren Herren, der dem interessierten Gast erklärt, was man gerade sieht. Nett gemacht, allerdings ersetzt es auf keinem Fall den Besuch einer richtigen Destillerie.

Am Ende der Tour kann man sich in einem Raum noch kurz über die Arbeit der Böttcherei informieren, dann versammelt sich die Gruppe in einem modernen Konferenzraum und es folgt ein Vortrag über den Schottischen Whisky inklusiv Schnupper-Probe. Dieser Teil der Tour gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Regionen und ihre Besonderheiten: Highland, Speyside, Lowland, Islay und Campbeltown.

Und dann folgt der Höhepunkt - die Whiskyausstellung! Über 3400 Flaschen Whisky werden präsentiert, dazu darf sich jeder ein Schlückchen des Whiskys aus seiner Lieblingsregion gönnen. Mit 6 Flaschen hatte der Sammler (dessen Namen ich mir leider vor lauter Begeisterung nicht gemerkt habe) vor gut 35 Jahren begonnen. Heute stehen in der Ausstellung Whiskys aller Farben, Formen und Nationen. Ehrfürchtiges Staunen unter den Anwesenden. Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, kann sich im Anschluss im Shop die erste Flasche seiner Sammlung kaufen - mit der Eintrittskarte zur Tour werden 2 Pfund verrechnet.